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Plaza de Armas in Cusco

Auf nach Cusco!

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Oder: Die Hauptstadt der Inka

Liebe Leserschaft,

Betrachtungen zur Sinologie? Überlegungen zu Reisestärken und -schwächen? Schön und gut, aber man könnte glatt auf die Idee kommen, die Verfasserin dieser Zeilen erlebe nichts in Peru, und flüchtete sich in weniger tagesaktuelle Themen. Ich kann euch aber versichern: Mitnichten! Wir haben verschiedene Events beim Radio, ich lerne häufig neue Leute kennen und erkunde auch Jaén selbst immer mehr, ebenso wie sein Umland. Und es wird gereist. Letztes Wochenende war ich z.B. bei sehr schönen Wasserfällen in der Nähe. Heute Nachmittag fahre ich für eine Woche in la selva, den (Regen-)Wald. Außerdem hatte ich Anfang November hohen Besuch aus der Heimat: Meine Schwester war hier, und natürlich sind wir auch ein bisschen zusammen durch Peru gefahren, und zwar nach Cusco und Puno, deren jeweils berühmteste Sehenswürdigkeiten vielleicht ein paar mehr Glocken zum Klingeln bringen: Machu Picchu und der Titicacasee. Es war eine richtig schöne Reise, von der ich noch lange zehren und außerdem in den kommenden Blogeinträgen berichten werde. Heute fangen wir an mit Cusco.

Ein Wort (oder zwei) zur Geschichte

Cusco, ehemals Cuzco, auf Quechua (der Sprache der Inka also) Qosqo, ist die ehemalige Hauptstadt des Reiches der Inka (von denen im Artikel zu Machu Picchu noch etwas ausführlicher die Rede sein wird), die diese im 12. Jahrhundert gründeten. Wie bei vielen Legenden um (Haupt-)Städte geschah diese Gründung nicht ganz ohne Einwirken höherer Mächte: Der Sonnengott Inti befahl dem ersten König der Inka, Manco Capac, die Stadt an der Stelle zu errichten, an der ein bestimmter Pfahl ganz in die Erde gerammt werden konnte. Dieser Anweisung folgte Manco Capac, fand diesen Punkt und ließ hier die Haupstadt seines Reiches bauen.

(Fakt am Rande: „Inka“ bedeutet wörtlich „König“. So gesehen waren Manco Capac und all seine Nachfolger die Inkas der Inka. Woher „Cusco“ kommt, habe ich irgendwie noch nicht so ganz ermitteln können; mal liest man, es bedeute auf Quechua „Nabel“, mal wird der Ursprung des Namens auf eine andere Gründungslegende zurückgeführt, die sich irgendwie um eine Eulengottheit dreht).

Das Reich der Inka dehnte sich also von Cusco ausgehend weiter aus, wobei die meisten Eroberungen unter dem neunten Inka Pachacutec stattfanden. Dieser war auch für rege Bautätigkeit in Cusco zuständig, z.B. für Tempel, Paläste und Kanäle.

Wie so oft in der Geschichte von großen Reichen erlebte auch das Reich der Inka eine Zweiteilung. Diese geschah 1529 unter dem Inka Huayna Capac, wobei Cusco zur südlichen Hälfte zählte, die von seinem Sohn Huascar regiert wurde und die sich bald im Krieg gegen den Norden unter Atahualpa wiederfand. Dieser besiegte 1532 seinen Bruder und das südliche Königreich.

Quizfrage für aufmerksame Leser: Wo erschien der Name „Huascar“ schon einmal? Spicken kann man hier.

Innere Zerrissenheit und Konflikte bedeuten natürlich immer eine Schwächung für einen Staat, möge er auch noch so mächtig und groß sein. Diese nutzen die europäischen Eroberer unter Francisco Pizarro, die 1531 im Norden des Inkareiches landeten und zunächst als keine nennenswerte Bedrohung erschienen, aus, um selber das Inkareich zu erobern. Sie nahmen Atahualpa in Cajamarca gefangen, ließen sich von ihm räumeweise Silber und Gold liefern, töteten ihn nach einigen Monaten und marschierten 1533 in Cusco ein. Dortselbst installierten sie einen Marionettenkönig namens Manco Capac, der zwar 1536 einen Aufstand gegen die Spanier wagte, diesen jedoch verlor. Nachdem Cusco also fest in der Hand der Spanier war, widmeten diese ihre Aufmerksamkeit der neuen Hauptstadt der Kolonie, Lima. Von Cuscos altem Glanz – und Stolz – blieb nicht viel übrig.

Aufgrund dieser Geschichte sieht man heute in Cusco architektonische Spuren sowohl der Inka als auch der Spanier. Sie ist unumstritten die archäologische Hauptstadt des Landes.

Qorikancha (oder was davon noch zu sehen ist)

In Cusco gibt es wirklich viel zu sehen und zu entdecken, und wir entschieden uns, unseren Cuscobesuch bei den Ruinen von Qorikancha zu beginnen. Hier stand einst einer der bedeutendsten und prächtigsten Tempel des Inkareiches aus dem 15. Jahrhundert, doch sind von ihm heute lediglich einzelne Teile der Grundmauern erhalten.

Neben diesen Ruinen steht die Kirche Santo Domingo aus der spanischen Kolonialzeit.

Kathedrale von Cusco

Kathedrale von Cusco

Überhaupt: Kirchen gibt es in Cusco nicht zu knapp. Durchaus beeindruckend ist die Kathedrale an der Plaza de Armas. Dieses Gotteshaus ist erstens ziemlich gigantisch und auch prunkvoll, aber v.a. ist es zweitens ein ganz spannendes Beispiel für die Vermischung spanischer und indigener Glaubensvorstellungen. Z.B. zeigt die Kirche ein Gemälde des letzten Abendmahles, bei dem Jesus und seine Apostel Meerschweinchen essen und chicha, ein peruanisches Getränk aus lila Mais, trinken. Ein anderes Werk stellt Maria als die Göttin Pachamama dar, die indigene Mutter Erde also. Diese Kunst wurzelt in der escuela cuzqueña aus dem 17. Jahrhundert, die Elemente beider Kulturen verknüpfte.

Compañía de Jesús

in der Compañía de Jesús

Die direkte Konkurrenzkirche zur Kathedrale von Cusco war (ist?) die Kirche Compañía de Jesús der Jesuiten. Diese Kirche sollte bei ihrem Bau im Jahr 1571 die prächtigste Kirche Cuscos werden, was dem Erzbischof, offenbar Kathedralen-Fan, missfiel. So stritt man sich anhaltend und schaltete schließlich den Papst ein, der sich ebenfalls als Kathedralen-Fan entpuppte. Bis seine Entscheidung Cusco erreichte, war die Compañía de Jesús allerdings ohnehin fast fertig. Sehr geschickt, ihr Jesuiten.

Schokoladenworkshop

beim Schokoladenworkshop

Kathedrale hin, Kirche her, zu all den optischen Genüssen müssen sich natürlich auch geschmackliche gesellen. Und so haben wir einen Schokoladenworkshop mitgemacht, denn schließlich ist eines der wichtigsten Exportprodukte Perus der Kakao. Im Rahmen des Workshops bekamen wir erst eine Einführung in die Kakaoherstellung, ehe wir uns kuhle Kochmützen aufsetzten und ein bisschen selber herumexperimentierten. Das Ergebnis war durchaus schmackhaft.

Mercado San Pedro

auf dem Mercado San Pedro

A propos Essen: Peruanische Märkte sind auch was Feines. Der zentrale Markt der Stadt, der Mercado San Pedro, bildet da keine Ausnahme und bietet Obst, Gemüse, Fleisch, Milchprodukte und noch viel mehr an. Größtes Plus allerdings, und deshalb erwähne ich ihn hier: Ein paar Stände auf dem Markt verkaufen auch Andenken, unter anderem ein T-Shirt von Homer Simpson auf einem Lama. Das musste ich natürlich kaufen.

Ach, es gibt noch so viel mehr in Cusco, aber das mal so als Einblick. Ohnehin besteht eine spannende Reise ja nicht darin, Sehenswürdigkeiten abzugrasen, sondern darin, durch die Straßen zu streifen, Köstlichkeiten zu probieren und ab und an ganz gepflegt zu chillen. Kleiner Tipp noch zum Schluss: Regenjacke einpacken. Und einen warmen Schlafanzug!

Liebe Leserschaft, wart ihr schonmal in Cusco? Was sind eure Highlights? Und habt ihr auch so eine Schwäche für Schokolade wie ich?

Eure sich gleich wieder auf Reise begebende Charlotte

PS: Unterwegszeilen hat jetzt Snapchat, eine App, die ich immer noch nicht so ganz durchschaue. Unabhängig davon findet man den Blog dort unter @unterwegszeilen. Frohes Snappen!

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