Du betrachtest gerade Züge in China: Was sind Zugtypen und Platzkategorien?

Züge in China: Was sind Zugtypen und Platzkategorien?

Oder: Es ist für alle was dabei

Liebe Leserschaft,

frohes neues Jahr! Ich hoffe ihr seid gut reingerutscht und bleibt 2026 guter Dinge. Sicherlich haben einige von euch schöne Reisen geplant, und vielleicht führt die eine oder andere dieser Reisen ja nach China.

Und falls nun diese Reise per Zug stattfinden wird UND falls es der erste China-Besuch ist: Hier ein kleiner Zug-Guide. Es geht heute um Zugtypen, Platzkategorien und um das Spektrum vom Hochgeschwindigkeitszug zur Bimmelbahn, vom Luxusabteil zum Stehplatz.

Darf in keinem Zug fehlen, egal wie schnell oder langsam: heißes Wasser für Tee und Fertigsuppen

Auf den ersten Blick mag manches im Kosmos der chinesischen Eisenbahn etwas kryptisch erscheinen, aber es ist eigentlich nicht sonderlich kompliziert, wenn man ein bisschen die Zugterminologie beherrscht. Es gibt Zugtypen und Platzkategorien, und beide bedingen beachtliche Preisunterschiede.

Zugtypen:

So wie in Deutschland die Regionalbahn und der ICE zwei Enden einer Geschwindigkeits- und Komfortskala bilden, so kennt auch China verschiedene Zugtypen. Der Buchstabe ganz am Anfang einer Zugnummer verweist auf den Zugtypen, auch das letztlich wie hierzulande. Die gängigsten sind:

  • G: Gāosù dòngchē 高速动车组/ Gāotiě 高铁: Hochgeschwindigkeitszug, der bis zu 350 (!) km/h erreichen kann
  • C: Chéngjì dòngchē 城际动车: verkehrt zwischen Städten (so gesehen ein Pendant zum deutschen und europäischen Intercity), meist über kürzere oder mittlere Distanzen
  • D: Dòngchē 动车: auch noch recht schnell, teilweise ähnlich wie G-Züge. Guter Kompromiss zwischen Preis und Geschwindigkeit
  • Z: Zhídá tèkuài 直达特快: verbindet weiter entfernte Städte miteinander, oft über Nacht (dauert etwas länger, ist aber sehr praktisch – abends einsteigen, morgens aussteigen)
  • T: Tèkuài 特快: wörtlich “besonders schnell“, war vor langer Zeit das schnellste und komfortabelste, was das chinesische Eisenbahnnetz zu bieten hatte; der schnellste der, sagen wir: konventionellen Zugtypen
  • K: Kuài快: wörtlich „schnell“, heute eher beschaulich, aber irgendwie auch urig. Wer wissen will, wie die Verfasserin dieser Zeilen ganz am Anfang ihrer China-Abenteuer das Land bereiste, sollte sich in einen K-Zug setzen.
  • [ohne Buchstaben vor der Nummer]: letztlich aus historischen Gründen seien in dieser Liste noch Zugnummern aufgenommen, die ohne vorangestellten Buchstaben auskommen. Man kann es sich sicherlich denken: Diese Züge halten wirklich an jeder (Soja-)Milchkanne, aber die Wahrscheinlichkeit, im Rahmen einer touristischen Reise zufällig in einem solchen Zug zu landen, ist eher gering. Falls doch: Genießt diese Züge, solange sie noch fahren, sie sind letztlich ein Stück chinesische Eisenbahngeschichte (und das meine ich gar nicht mal ironisch)
Anzeigetafel, ganz links stehen die Zugnummern, die den Zugtypen enthalten (D, C, K, …)

Je nachdem, wie viel Zeit ihr habt und wie großzügig das Budget ist, bieten sich unterschiedliche Zugtypen an. So richtig falsch machen kann man da eigentlich nichts. Wer viele Orte sehen will, sollte sich eher an G-, C-, D- und Z-Zügen orientieren. Wer das Zugfahren an sich erleben möchte, sollte mindestens einmal mit einem K- oder einem buchstabenlosen Zug fahren, und sich davor oder danach in einen G-Zug setzen, um die zwei Pole des Spektrums kennen zu lernen.

Platzkategorien:

Soweit alles klar? Dann weiter zu den Platzkategorien.

So wie es in Deutschland die erste und die zweite Klasse gibt (und in Nachtzügen noch verschiedene Klassen im Schlafwagen), so bietet auch China Abstufungen im Komfort. Der Einfachheit halber nenne ich sie mal Platzkategorien.

Auch hier gibt es konventionelle und neuere Klassen. Ganz, ganz ursprünglich, als China noch eine klassenlose Gesellschaft war (hust), betitelte man diese Kategorien eher deskriptiv: ohne Sitz, hart sitzen, hart liegen, weich sitzen, weich liegen. Dass weich liegen teurer war als weich sitzen, war und ist irgendwie logisch, aber so umging man das unschöne Wort „Klasse“ und seine Synonyme.

Heute hat sich vieles gewandelt: Neben den vier genannten KlassenPlatzkategorien gibt es noch einige mehr, wobei nicht jeder Zug jede bereit hält, aber dazu gleich mehr. Hier mal eine Liste mit den alten und neuen Platzkategorien, sortiert nach Preis und Komfort:

  • Business Class shāngwùzuò 商务座 (wörtlich: Business-Sitz): die teuerste Klasse (hat jemand Erfahrungswerte?), meines Wissens ausgestattet mit vollständig nach hinten zurückklappbaren Sitzen und sehr viel Beinfreiheit. Es erinnert ein bisschen an Flugzeuge, und irgendwie drängt sich angesichts des Preises ohnehin die Frage auf, warum man nicht für den gleichen oder gar einen geringen Preis einfach fliegt? (Umwelt? Flugangst?)
  • Weich liegen ruǎnwò 软卧: Die teuerste der vier konventionellen Kategorien. Vier-Personen-Abteile mit gemütlicher Liege. Habe ich erst einmal erlebt (Peking-Pyongyang) aber wirklich sehr genossen
  • Erste Klasse yìděngzuò 一等座: Tatsächlich günstiger als die Business Class (auch wenn der Name Gegenteiliges vermuten ließe), etwas Beinfreiheit, etwas Sitzpolster, sowas halt
  • Weich sitzen: ruǎnzuò 软座: Großer bequemer Sitz und viel Platz für Beine und Gepäck. Sah man früher eher selten (oft gab es, zumindest in meiner Erinnerung, nur weich schlafen, hart schlafen, hart sitzen und ohne Sitz), hat aber durch die neuen Zugtypen (s.o.) irgendwie eine Renaissance erlebt (?).
  • Zweite Klasse èrděngzuò 二等座: Ist wohl irgendwie halbwegs komfortabel und dennoch relativ erschwinglich – kenne ich aber nicht aus eigener Erfahrung (ihr vielleicht?)
  • Hart liegen yìngwò 硬卧: Sechserabteil mit eher harten Liegen, die aber für 1-2 Nächte bequem genug sind (finde ich). Preislich meist recht erschwinglich, wobei es leichte Unterschiede gibt: die unterste Liege kostet am meisten, die oberste ist am günstigsten und die mittlere liegt preislich, wer hätte es gedacht, dazwischen. Letztlich hat jeder Mensch wohl andere Präferenzen bei der Liegenwahl – ich selber finde die mittlere am angenehmsten, da die untere Liege tagsüber als Sitzfläche für alle im Abteil dient und sich die obere Liege doch recht nah an Licht, Lautsprecher und Klimaanlage befindet. Letztlich Geschmackssache (wer nicht gerne klettert, sollte die untere Liege wählen; wer sich so gut es eben geht abkapseln möchte, ist mit der oberen gut beraten, usw.)
  • Hart sitzen yìngzuò 硬座: Komfort wird hier eher kleingeschrieben, der Preis dankenswerterweise aber auch. Man sitzt auf einer der blau gepolsterten, mittlerweile fast ikonischen Sitzbank mit 1-2 weiteren Personen, ohne Armlehnen, versteht sich. Hat auch irgendwie Charme
hart sitzen auf der Nachtfahrt von Chengdu nach Kunming, 2025
  • Ohne Sitz wúzuò 无座: Tja, und dann gibt es noch den letzten Strohhalm, an den man sich klammern kann, wenn man sehr kurzfristig und/oder an beliebten Reisetagen durch die Volksrepublik möchte: Ohne Sitz, seatless/standing, und zwar in den Waggons für hart sitzen. Es ist genau das, was es verspricht: Man steht oder man sitzt auf dem Boden. Für Strecken von wenigen Stunden ist das eigentlich ganz gut machbar. Für Fahrten über Nacht schon weniger, für mehrtägige Reisen eigentlich schon in sich ein Abenteuer. Und auch hier soll ein Hinweis zum Preis nicht fehlen: Ohne Sitz kostet genauso viel wie hart sitzen. Der Verkauf startet erst, wenn hart sitzen (fast) ausverkauft ist, wohl um zu verhindern, dass zu viele Personen sich ein Ticket ohne Sitzplatz kaufen, um dann doch in den frei gebliebenen Plätzen für hart sitzen zu, naja, sitzen. Ich weiß nicht, ob diese Erklärung stimmt, und ich weiß auch nicht, ob dieses Resultat überhaupt eintreten würde. Naja. An dieser Stelle jedenfalls wäre ich echt gerne in der Lage einen Tipp zu geben, wo man sich ohne Sitzplatz am besten positioniert – Tür, Gang, vor dem Klo, wo auch immer. Aber immer, wenn ich ohne Sitz gefahren bin (und das ist nicht wenig…), war der Platz nach wenigen Stunden irgendwie echt mies. Vor der Tür ist man komplett im Weg, wenn der Zug hält und Reisende ein- und aussteigen. Im Gang muss man öfters aufstehen, wenn Mitreisende vorbei gehen möchten. Vor dem Klo herrscht etwas weniger Publikumsverkehr, aber dafür müffelt es stündlich strenger. Vorübergehende Erlösung bietet der Speisewagen, der allerdings nicht durchgehend geöffnet hat. Reisen macht Spaß.
Stehplatz im Schnellzug von Mile nach Kunming (dankenswerterweise eine kurze Fahrt), 2023

Wichtig 1: Es gibt noch mehr Zugtypen und noch mehr Platzkategorien als die hier genannten. Aber das sind so die häufigen Einteilungen und ich denke, für den Anfang ist das mehr als genug.

Wichtig 2: Nicht jeder Zugtyp bietet jede Platzkategorie und nicht jede Platzkategorie ist (logisch) in jedem Zug zu finden. Dazu nun mehr:

Zugtypen + Platzkategorien 

Wer also ein Bahnticket für die chinesische Eisenbahn erwerben möchte, sollte nun alles Wissen über Zugtypen und Platzkategorien kombinieren. Hier ein Beispiel für die Verbindung Kunming – Qujing, aufgenommen von der Website der chinesischen Eisenbahn:

Die Spalten (blau) geben die Platzkategorien wieder (Business – Priorität 1. Klasse – 1. Klasse – 2. Klasse – Superior weich liegen – weich liegen – hart liegen – weich sitzen – hart sitzen – ohne Sitz – Sonstige). Die Zeilen (rot) sind die Nummern der Züge, denen immer ein Buchstabe vorangestellt ist. G 2838 (zweite Zeile von unten) ist also ein Zug der „gāotiě“, ein Hochgeschwindigkeitszug also. Er braucht 0:50 Stunden von Kunming nach Qujing, das teuerste Ticket kostet 129,50 Yuan (ca. 15 €, Business Class), das günstigste 72,50 Yuan (ca. 9 €, 2. Klasse). Zum Vergleich: Der Zug K232 ist ein K-Zug und mithin der zweitlangsamste auf Chinas Schienen. Eine Fahrt von Kunming nach Qujing dauert mit ihm 01:39 Stunden und kostet in der teuersten Kategorie (hart liegen – falls jemand ein anderthalbstündiges Nickerchen halten möchte) 69,50 Yuan (ca. 8,50 €) und in der günstigsten Kategorie (hart sitzen / ohne Sitz) 23,50 Yuan (ca. 2,50 €).

Übrigens: Es gibt auch noch einen Zug mit Zugnummer ohne Buchstaben für die Streckt Kunming – Qujing, eine Art Dodo unter den Zügen sozusagen. Er fährt einmal am Tag und benötigt für die genannte Strecke 02:44 Stunden. Für hart sitzen oder ohne Sitz (andere Kategorien gibt es nicht) kostet ein Ticket 20 Yuan (ca. 2€). Er hält an vielen kleinen Orten, von denen ich noch nie gehört habe – I am intrigued.

Liebe Leserschaft, reist ihr lieber schnell oder langsam? Und fühlt ihr euch nun gewappnet für die Zugwahl in China?

Eure (mittlerweile) nicht mehr über Nacht ohne Sitzplatz fahrende Charlotte

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.